Blickbewegungen und visuelle Aufmerksamkeit

Voraussetzung für die Interpretation der ermittelten Fixationsdaten ist, dass ein Zusammenhang zwischen der visuellen Aufmerksamkeit und den Blickbewegungen (den Sakkaden) besteht. „Nur wenn der aktuelle Blick auch immer das anzeigt, was gerade aufgenommen und verarbeitet wird, kann die Messung von Wahrnehmungsprozessen durch die Beobachtung von Augenbewegungen und –stillständen erfolgen“ [Berghaus, 2005: 89]. D.h. nur bei der Kongruenz von Fixationsort und Aufmerksamkeitsfokus ist die Voraussetzung dafür geschaffen, dass von der Objektfixierung auch auf dessen tiefere Verarbeitung geschlossen werden kann.

Nach Schmidts [2007: 66] ist „die Aufmerksamkeit an Sakkaden gekoppelt und wird von diesen gewöhnlich an den Ort des stärksten Reizes“ verschoben, „um dort eine tiefere Verarbeitung mittels Fixation auszulösen“. Wie bereits bei den Sakkaden erwähnt wurde, können Sakkaden willentlich (gezielt gesteuert) oder unwillentlich (reflexartig – siehe Orientierungsreflex) ausgelöst werden.

Da nur im fovealen Bereich die maximale Sehschärfe sowie Farbwahrnehmung erreicht werden kann, wird  angenommen, dass eine Kongruenz von dem Ort der Aufmerksamkeitsausrichtung und dem fokussierten Bereich des Blickfelds vorliegt.

Eine Deckung von Fixationsort und dem visuellen Aufmerksamkeitsfokus ist insbesondere bei der visuellen Suche anzunehmen, da hier vornehmlich bewusste Augenbewegungen durchgeführt werden. Bei der visuellen Suche muss die Aufmerksamkeit erst willentlich und bewusst von einem fixierten Objekt gelöst werden (Reflexkontrolle), bevor eine Sakkaden ausgeführt werden kann.

Es gibt jedoch Situationen (z.B. beim „Dösen“ – in der Wissenschaft wird dieses Phänomen als looking without seeing bezeichnet), in denen keine Übereinstimmung zwischen Aufmerksamkeitsfokus und Fixationsort anzunehmen ist [Rötting 2001: 63]. Dies kann zu Fehlinterpretationen bei der Auswertung von Blickdaten führen, da in diesem Fall keine Informationsverarbeitung statt findet obwohl die Fixationsdaten ein solches vermuten lassen.

Somit muss konsterniert werden, dass keine eindeutige Zuordnung von Fixationsort und Aufmerksamkeitsfokus vorliegt, sondern vielmehr, dass sich die Aufmerksamkeit zwischen Objekten im fovealen und peripheren Blickfeld aufteilt [vgl. Joos et al. 2000].

Wie bereits erwähnt, findet bei Suchaufgaben primär eine foveale Orientierung statt, d.h. die Aufmerksamkeit ist hauptsächlich auf den fovealen Wahrnehmungsbereich gerichtet. In diesem Fall ist der Einsatz von Eyetrackern zweckmäßig, da aus den Fixationsdaten auf den Aufmerksamkeitsfokus geschlossen werden kann. Folglich wird bei Eyetracking-Untersuchungen hauptsächlich mit Aufgabenstellungen gearbeitet, die eine zielgerichtete visuelle Suche bedingt.

Autor: Sebastian Goldstein