Fixationsdauer und Informationsverarbeitung

Die Korrelation von Fixationsdauer und dem Ausmaß der Informationsverarbeitung steht in engem Zusammenhang mit dem Erkenntnissen des vorigen Kapitels „Blickbewegungen und Informationsverarbeitung“. So geht die bereits erwähnte „Immediacy Assumption“ davon aus, dass die Fixationsdauer der Dauer der zentralen Informationsverarbeitung entspricht.

In Kapitel „Blickbewegungen und visuelle Aufmerksamkeit“ wurde bereits erwähnt, dass es Situationen gibt, in denen wir zwar ein Objekt fixieren, dieses aber durch die inwärts gerichtete Aufmerksamkeit nicht verarbeiten (looking without seeing). Wie ebenfalls erwähnt wurde, tritt dieses Phänomen bei der visuellen Suche eher selten auf.

Da bei Eyetracking-Untersuchungen in der Regel mit Szenarien und expliziten Aufgabenstellungen gearbeitet wird, kann daher von einem Zusammenhang zwischen der Fixationsdauer und den während dieser Fixation ablaufenden kognitiven Prozesse ausgegangen werden. Es können jedoch keine exakten Aussagen über die tatsächlich benötigte Verarbeitungszeit getroffen werden.

Nach Goldberg & Kotval (1999) kann aufgrund des so genannten cognitive processing argument davon ausgegangen werden, dass ein schwierig zu verarbeitendes Objekt aufgrund einer längeren Verarbeitungszeit auch länger fixiert wird. Somit kann vermutet werden, dass je länger die visuelle Aufmerksamkeit auf ein Objekt gerichtet ist, desto schwieriger ist dessen kognitive Verarbeitung.

Ob die Verarbeitungsdauer auch mit der Verarbeitungstiefe bzw. Verarbeitungsintensität korreliert, ist in der Wissenschaft ebenfalls in Diskussion. Nach Petja Heimbach ist es nicht möglich, dass eine bestimmte Art von Fixation (Länge, Position, Häufigkeit) als „Beleg für die kognitive Verarbeitung von Daten heranzuziehen“ ist, da „neben der modalen und codalen Gestaltung der Inhalte (Imagery-Theorie) vor allem psychische Dispositionen des Rezipienten die Verarbeitungswahrscheinlichkeit (z.B. Involvement, Einstellung, Vorwissen)“ beeinflussen [2001: 168].

Demgegenüber stellt Miriam Yom [2003: 155-156] fest, dass Hinweise (vgl. Antes & Penland [1981] und Friedman & Liebelt [1981]) gefunden wurden, die Belegen, dass „Objekte länger fixiert werden, wenn sie im Kontext eines Bildes ungewöhnlich erscheinen und vom Betrachter nicht erwartet werden“. Des Weiteren stellt Schmidts [2007: 70] fest, dass ein positiven Zusammenhang zwischen der Verarbeitungstiefe und der Fixationsdauer vorliegt.

Für Usability-Untersuchungen von Webseiten ist insbesondere die relative Fixationsdauer (Fixationslänge des Objekts in Relation zu Gesamtverweildauer auf der Webseite) interessant. Nach Miriam Yom kann auf diese Weise analysiert werden, welche Seitenelemente (z.B. Bilder, Texte, Navigationselemente etc.) verhältnismäßig lange und intensiv betrachtet wurden [2003: 156].

Autor: Sebastian Goldstein