Fixationsdauer (absolut)

Wie der Name schon andeutet, gibt die Dauer einer Fixation gibt an, wie lange ein Objekt betrachtet wurde. Die Fixationsdauer (im englischen auch „fixation duration“, „dwell time“, „fixation dwell time“ „fixation pause duration“ oder „length of fixation“ genannt) wird hierbei durch ihre zeitlichen Ausdehnung operationalisiert. Dabei wird die Fixationsdauer in der Regel durch das Ende einer Sakkade und dem Anfang der darauf folgenden Sakkade bestimmt [vgl. z.B. Rötting 2001: 107 oder Berghaus 2005: 109]. Somit kann die Dauer der Fixation über die Abgrenzung der ihr vor- und nachgelagerten sakkadischen Augenbewegungen bestimmt werden.

Wie bereits bei der Erläuterung von Sakkaden erwähnt wurde, kann aufgrund der „saccadic suppression“ cirka 30-40 Millisekunden vor und bis zu 100-120 Millisekunden nach dem Start der Sakkade keine visuelle Informationsverarbeitung stattfinden. Da wir eine Fixation als einen Zustand definiert haben, in dem eine visuelle Informationsaufnahme möglich ist, so ergibt sich aus der „saccadic suppression“, dass erst aber einer Fixationsdauer von mindestens 100 Millisekunden von einer Fixation gesprochen werden kann.

Die Fixationslänge kann dabei von der Informationskomplexität des betrachteten Stimulus, vom Umfang der Suchaufgabe und von dem Bekanntheitsgrad der Benutzeroberfläche beeinflusst werden [Granka, Feusner & Loriga 2008: 349].

Bevor nachfolgend auf die Interpretation der Fixationslänge näher eingegangen wird, sollte beachtet werden, dass der Parameter der Fixationsdauer keineswegs stabil ist. So können keine festen Grenzen angegeben werden, nach denen sich die einzelnen Fixationen gruppieren lassen (z.B. in „lange“ und in „kurze“ Fixation). Nach Rötting [2001: 107] besteht z.B. in vielen Fällen ein Zusammenhang zwischen der Fixationsdauer und den Aufgabenparametern (Aufgabenschwere, erforderliche Genauigkeit usw.) sowie der Erfahrung der Person mit der Aufgabe. Auch die individuelle kognitive Leistungsfähigkeit der einzelnen Personen kann variieren.

Bei Gültigkeit der Eye-Mind- und der Immediancy-Assumption kann aus der Fixationsdauer auf die Informationsaufnahme und Verarbeitungstiefe des betrachteten Objekts geschlossen werden. Nach Yom [2003: 155] konnte dieser Zusammenhang in Untersuchungen zum Leseverhalten nachgewiesen werden.

Lange Fixationen können jedoch auch ein Indiz für Probleme bei der Aufnahme und Identifikation von Informationen sein. So kann die Fixationslänge einen Hinweis für den Schwierigkeitsgrad während der Informationsaufnahme sein [vgl. z.B. Schmidts 2007: 134]. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Zeitspanne für eine Fixation im Wesentlichen durch die notwendige Verarbeitungszeit für die Auswertung des fixierten Objekts bestimmt wird [vgl. beispielsweise Leven 1991 oder Yom 2003: 155].

Die Probleme bei der kognitiven Verarbeitung können dabei entweder bei der bewussten sensorischen Wahrnehmung der visuellen Information oder bei der Zuordnung der Informationen zu bereits bekannten Kategorien stattfinden. In Bezug auf die Zuordnung der bewusst wahrgenommenen Informationen zu bereits bekannten Merkmalskategorien bedeuten lange Fixationen, dass das betrachtete Objekt für den Nutzer noch relativ unbekannt ist und dass daher keine eindeutige Kategorisierung erfolgen kann.

Nach Schmidts [2007: 134] kann die Fixationsdauer auch als Indikator für die visuelle Aufmerksamkeit verwendet werden. Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass aufmerksamkeitsstarke Stimuli mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen und folglich auch länger betrachtet werden als weniger reizstarke Seitenelemente.

Nach Rötting [2001: 111] kann die Fixationsdauer auch als Maß für die Beanspruchung herangezogen werden. In diesem Fall müssen jedoch die bereits erwähnten Aufgabenparameter beachtet werden, da das Beanspruchungsmaß vom Aufgabentyp abhängig ist.

Bezogen auf die Web-Usability ist die Interpretation der Fixationslängen contentabhängig. Werden beispielsweise Navigationselemente oder Links relativ lange betrachtet, so deutet dies auf Probleme bei der Interpretation des Navigation-Wordings hin. D.h. die Nutzer wissen nicht genau, welcher Seiteninhalt hinter dem Navigationslink zu erwarten ist bzw. ob dieser Inhalt der gesuchten Information entsprechen wird. Da jeder Seitenaufruf durch Opportunitätskosten geprägt ist - schließlich muss bei dem Aufruf einer „falschen“ Seite zurück navigiert werden und es geht Zeit verloren – klickt ein Webseitenbesucher einen Link nur bei einer positiven, ex-ante antizipierten Kosten-Nutzen-Rechnung, an. Dabei basiert die Kosten-Nutzer-Rechnung vornehmlich auf die vorhandenen Informationen und der daraus resultierenden Eintrittswahrscheinlichkeit, dass es sich bei der verlinkten Seite um die gesuchte handelt. Dabei ist der kognitive Aufwand bei der Berechnung der Kosten-Nutzen-Rechnung umso größer, je größer das Ausfallrisiko ist. Umgekehrt bedeutet dies, dass eindeutig beschriftete Links einen geringen kognitiven Aufwand erzeugen und somit auch kürzer fixiert werden.

Wird jedoch ein Bild oder Bewegtbild längere Zeit betrachtet, so kann dies durch das persönliche Interesse bedingt sein.

Umgekehrt deutet eine sehr kurze Fixation z.B. auf ein grafisches Seitenelement auf ein geringes Interesses an der betrachteten Information. Dies tritt immer dann auf, wenn das Objekt relativ aufmerksamkeitsstark ist und die visuelle Aufmerksamkeit des Nutzers anzieht, dieses Objekt jedoch keinen informativen Mehrwert bietet. Aus Usability-Sicht sollte dies möglichst vermieden werden, da jede überflüssige Fixation zu Opportunitätskosten führt. Die Suchzeit zum Finden der relevanten Information verlängert sich oder das Suchziel kann verfehlt werden. Dieses Problem tritt insbesondere bei der Verwendung grafischer Werbung oder bei dekorativen „Füllbildern“ auf, die in der Regel keinen Mehrwert für den Nutzer darstellen.  

Autor: Sebastian Goldstein